Clustern und Netzwerken ist noch lange nicht out

2. März 2010 von Manuela Wehrle

So könnte man eine der Hauptbotschaften formulieren, die sich aus der Jahrestagung der Initiative Kompetenznetze Deutschland ergeben. Über 200 Vertreter von Netzwerkinstitutionen, Unternehmen, Hochschulen und öffentlichen Einrichtungen waren heute nach Berlin gekommen, um sich über aktuelle Trends in der Entwicklung von Clusterinitiativen und Kompetenznetzen zu informieren und auszutauschen. Sehr anschaulich präsentierte beispielsweise Gernot Lobenberg, wie sich die Logistik-Initiative Hamburg für die Förderung von Innovationen in der Logistik engagiert.

Er verwies darauf, dass es sich bei Logistinnovationen vor allem um Prozessinnovationen handelt, die zwar nicht so populär wie technologische Innovationen, dafür jedoch schneller umsetzbar sind. Er stellte fest, dass das Interesse am Thema Innovation hoch, an (zeitaufwändigem) Engagement dagegen relativ gering ist und dass somit noch ein hohes Potenzial bei der Vernetzung zwischen Hochschulen und Wirtschaft besteht. Für Rhein-Main gilt dies sicher in ähnlicher Weise …

Von den geschätzt knapp 100 Tagungsteilnehmern, die sich an einer interaktiven Podiumsdiskussion zum Thema Clusterstrukturen von Morgen beteiligten, waren fast 100 % der Meinung, dass Cluster- bzw. Netzwerkorganisationen auch in Zukunft gebraucht werden. Dies ist – zumindest aus Sicht der EU – anscheinend gar nicht so abwegig: Dr. Gerd Meyer zu Köcker, Leiter der Kompetenznetze-Geschäftsstelle, berichtete, dass bei den angelaufenen Überlegungen zur Ausgestaltung des 8. EU-Forschungsrahmenprogramms Cluster eine wohl noch wichtigere Rolle als bisher spielen werden. So wird z. B. darüber nachgedacht, Innovationsförderanträge von Unternehmen/Institutionen, die Mitglied in einer – natürlich leistungsfähigen – Clusterinitiative sind, mit Bonus bzw. einem gewissen Vorzug zu behandeln.

Dass alle derzeit existierenden Clusterinitiativen tatsächlich eine Daseinsberechtigung haben, wurde von praktisch allen Diskussionsteilnehmern angezweifelt. Man geht davon aus, dass die Zahl der Initiativen sich in der Zukunft konsolidieren und zugleich die Bedeutung der Cluster an sich zunehmen wird. Drei Initiativen wurden übrigens als Kompetenznetze des Jahres 2010 und damit als Netzwerken mit bester Zukunftsfähigkeit ausgezeichnet: ECPE European Center for Power Electronics e. V. mit Sitz in Nürnberg, NanoBioNet e. V. (Bezugsraum Saar/Rheinhessen/Pfalz) und das nordhessische Kompetenznetz Dezentrale Energietechnologien e. V.

Meyer zu Köcker präsentierte abschließend eine Idee, wie Clusterinitiativen und öffentliche Hand zukünftig zusammenarbeiten könnten: Die Initiativen könnten doch nicht mehr nur für Unternehmen und Forschungsinstitutionen, sondern auch für die öffentliche Hand als Dienstleister fungieren. D. h. öffentliche Partner würden dann nicht mehr pauschal Netzwerke fördern, sondern nur für in Anspruch genommene Leistungen zahlen. Dies ist sicher eine Überlegung wert.

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