Blick in die Zukunft der Luftfahrtbranche

21. Juli 2010 von Manuela Wehrle

Die Luftfahrt boomt derzeit. Im Juni hatte der internationale Luftfahrtverband Iata verkündet, dass die weltweite Luftfahrtbranche im Mai wieder an das Niveau aus der Vorkrisenzeit angeknüpft hat – sowohl in der Passage als auch im Frachtverkehr. Aber wie wird sich die Branche langfristig entwickeln?

Zu diesem Thema ist vor kurzem eine Studie erschienen: „The Future of Aviation 2025 – Global Scenarios for Passenger Aviation, Business Aviation and Air Cargo“ heißt die neue Studie des Supply Chain Management Institute (SMI) der EBS Business School, die auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin Mitte Juni vorgestellt wurde. Es handelt sich dabei um die bislang umfassendste Szenario-Studie zur Luftfahrt, weil sie sich mit allen drei Bereichen Passage – Business Aviation  – Luftfracht gleichzeitig beschäftigt. Die Forscher haben ausgewählte Luftfahrtstrategen, C-Level-Manager, Luftfahrtforscher und -berater mit durchschnittlich über 22 Jahren Berufserfahrung zu den Bedrohungen und Chancen der Branche bis zum Jahr 2025 befragt. Hier ein paar ausgewählte Ergebnisse:

Die befragten Experten gehen mit knapp 72 % Wahrscheinlichkeit davon aus, dass das Problem der knappen fossilen Brennstoffe auch mittelfristig nicht gelöst wird. Dr. Marco Linz, Mitautor der Studie, sieht deshalb die großen aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in der Luftfahrt in nachhaltigem Wirtschaften, Emissionsreduktion und der Erneuerung überkommener Technologien und Prozesse.

Mit praktisch gleich hoher Wahrscheinlichkeit (73 %) erwarten die befragten Experten die Etablierung eines weltweiten Marktes für Emissionshandel. Darin sehen die Studienautoren eine große Chance, die bislang noch nicht genutzt wurde: Wer sich heute schon sehr viel intensiver als bislang branchenüblich um alternative Antriebe und spritsparende Flotten bemüht, wird morgen reich und paradox belohnt, da er weniger Emissionsrechte braucht als er zugeteilt bekommt und somit den Überschuss gewinnbringend losschlagen kann. Was wiederum Kostenvorteile in einem stark umkämpften Markt bringt.

Zudem zeigte die Studie, dass es immer unwahrscheinlicher wird, dass Manager auch zukünftig von Frankfurt nach Stuttgart fliegen. Denn mit den eher ineffizienter werdenden Bodenprozessen (Stichwort Sicherheitskontrollen) und den knapper werdenden Reisebudgets ergibt sich kaum mehr ein Vorteil für die Luft – auf den Kurzstrecken. Und was für Manager gilt, gilt auch für Güter. Die Szenario-Experten sagen voraus, dass sich die Luftfahrt mit 63-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf einen noch schärfer werdenden Substitutionswettbewerb auf den kurzen Stecken in den Industrieländern einstellen muss.

Wer Interesse an der kompletten Studie hat, kann ein Exemplar bei Dr. Marco Linz am Supply Chain Institute anfordern. Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.

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