Die Einkaufswelt von Morgen – Der Logistiker im Kühlschrank

3. August 2011 von Daniel Pulko

Der Konsum der Zukunft beschreitet überraschend neue Wege. Die Logistik liefert bis in den Kühl- und Küchenschrank des Verbrauchers von morgen hinein. Eine aktuelle Studie zeigt Szenarien für die Konsumgüterbranche 2030 auf.

Karl steckt in der Klemme: Es ist gleich Feierabend, er hat drei Arbeitskollegen zum Grillabend eingeladen und mal wieder vergessen einzukaufen. In den Supermarkt schafft er es nicht mehr bis zum vereinbarten Zeitpunkt, also was tun? Ganz einfach: Er öffnet in der 20. Etage seines Bürogebäudes das Fenster und holt sich den Großpack Grillwürste und eine Tüte Semmeln aus dem Paternoster-Regal, das an jedem größeren gewerblichen Gebäude der Stadt angebracht ist. Das ist Zukunftsmusik? Genau darum geht es.

Konsum der Zukunft

Wie werden wir in Zukunft einkaufen? Eine Frage von milliardenschwerer Bedeutung, wie die Zahlen belegen (s. „Konsum der Zukunft in Zahlen, Daten, Fakten“). Wer heute nicht weiß, wie und was die Konsumenten morgen einkaufen werden und was nicht, handelt sich zwangsläufig Ärger ein, wie nicht zuletzt das aktuelle E10-Debakel beweist: Die Konsumenten tanken es nicht. Procter & Gamble, einer der größten Konsumgüterhersteller, möchte solche Boykotte tunlichst vermeiden. Der Konzern braucht verlässliche Daten über die Zukunft des Konsums und gab deshalb eine entsprechende SMI-Studie in Auftrag, die jetzt vorliegt: „Warenverfügbarkeit 2.0 – Szenarien für die Konsumgüterbranche 2030“.

Bunte letzte Meile

Das Paternoster-Regal am Büro-Hochhaus ist nur eine der vielen möglichen Zukunftsoptionen des Konsums. Andere in der Studie aufgeworfene Optionen sind zum Beispiel der „Drive-thru-Schalter“ vor dem Supermarkt nach Art der Fast Food-Restaurants oder das Replenishment: Der Supermarkt liefert die bestellte Ware frei Haus direkt bis in den Küchen- oder Kühlschrank des Konsumenten hinein. Der Supermarkt? Nein, natürlich dessen Logistiker, der bei dieser zukünftig sehr bunten und vielfältigen Gestaltung der berühmten letzten Meile bis zum Endkunden eine noch viel wichtigere Rolle einnehmen wird als bislang schon. Das Zauberwort heißt: situationsgerechter Vertrieb in allen Lebenslagen.

Konsum in allen Lebenslagen

Der Konsument der Zukunft kann und soll einkaufen, wann, wo und wie auch immer er möchte. Marken-Giganten wie Procter & Gamble bereiten sich schon heute mit Nachdruck darauf vor. Denn sie wissen: Gute Marken kreieren kann heute jeder mit entsprechend Know-how und Kapital. Nicht mehr die Markenmacht konstituiert die Marktmacht, sondern die sogenannte ubiquitäre Verfügbarkeit der Marke: Egal wo ich bin, meine Marke ist schon da. Der dafür notwendigen Mikro-Logistik der letzten Meile eröffnet dies völlig neue Umsatzchancen und Geschäftsmodelle, wirft aber auch völlig neue Aufgabenstellungen und Herausforderungen für die Logistik auf.

Die neue Konsumlogistik

Um eine Marke tatsächlich in jeder denkbaren Lebenslage verfügbar zu machen, werden Hersteller, Logistik und Handel sehr viel enger zusammenarbeiten müssen als bislang. Auch das zeigt die Studie: Zwar kooperieren alle drei jetzt schon weitläufig. Doch der Kooperationsgrad ist bei weitem nicht zukunftsfähig, ist meist noch zu gering, von zu geringer Detaillierung, reicht nicht bis auf Prozessebene hinab und umfast vor allem nicht so zukunftsweisende Institutionen wie die Joint Supply Chain Academy (s. „Die Uni für die Supply Chain“).

Schöne neue Konsumwelt

Früher kam der Kunde zum Produkt. In der Zukunft wird es auch umgekehrt sein: Das Produkt kommt zum Kunden. Die dafür nötige Mobilität verdankt es der Logistik. Genauer: Jenen Logistikern, die sich bereits heute zusammen mit Herstellern und Händlern die nötigen Gedanken über den Konsum der Zukunft, über Warenverfügbarkeit 2.0 machen.

 

(Quelle: Dr. Marco Linz, Daniel Pulko, M.Eng., Dr. Heiko von der Gracht, Supply Chain Management Institute, EBS Business School, Mai 2011)

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