Kontroverse um Lkw-Verkehr: Hessen legt "Masterplan" vor
Category Logistik Verkehr RheinMain Masterplan Hessen LKW HMWVL
Posted by Christine Contreras On 01.07.2008
(via Pressemitteilung vom 30.6.2008, www.hessen.de)
In der aktuellen Kontroverse um den Lkw-Verkehr und die vom Bundesverkehrsminister vorgeschlagene Spurentrennung von Lastwagen und Pkw auf Autobahnen hat sich Hessen mit einem Vorschlag zu Wort gemeldet, der auf eine massive Ausweitung der sogenannten temporären Seitenstreifenfreigabe für den Schwerverkehr setzt.
„Die Lastwagen flächendeckend durch
Überholverbote auf der rechten Spur einzusperren, funktioniert nicht. Wir
benötigen schnell einsetzbare, vergleichsweise kostengünstige und vor allem
hoch wirksame Maßnahmen“, erklärte Hessens Verkehrsstaatssekretär Klaus-Peter
Güttler am Montag in Wiesbaden. Er ergänzte: „Hessen schlägt deshalb dem
Bund einen Masterplan vor, der dafür sorgt, dass der Verkehr besser fließt
und dass Lastwagen und Pkws gut voran kommen. Der Schwerverkehr fährt auf
dem Seitenstreifen und nutzen den rechten Fahrstreifen zum Überholen –
so bleibt der Pkw-Verkehr auf den beiden linken Fahrstreifen unbehindert.“
Eine rasche Umsetzung des "Masterplans Seitenstreifenfreigabe"
sei damit, so Güttler, auch ein Beitrag, um den Logistikstandort Hessen
zu stärken - schließlich gehöre insbesondere Nordhessen zu den herausragenden
Logistikregionen Deutschlands und sei auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen.
Konkret schlägt Güttler eine Ausweitung
der Seitenstreifenfreigabe auf weite Teile des hessischen Autobahnnetzes
vor. Ein Beispiel ist der Abschnitt zwischen Friedberg und dem Hattenbacher
Dreieck auf der Autobahn A 5. Im Süden des Landes könnten Streckenbeeinflussungsanlagen
und Seitenstreifenfreigaben auf der A 5 zwischen Darmstadt und der Landesgrenze
zu Baden-Württemberg für flüssigen Verkehr sorgen. Auf der A 7 bietet sich
dem „Masterplan“ zufolge der Abschnitt zwischen den Anschlussstellen
Hünfeld/Schlitz und dem Fuldaer Dreieck an.
Die Kostenschätzungen für die Verkehrstechnik belaufen sich auf rund 250.000 Euro pro Richtungskilometer. Hinzu kommen im Einzelfall bauliche Maßnahmen zur fahrbahnertüchtigung. Die Kosten müssten vom Bund getragen werden, denn die Bundesländer sind für Planung, Bau, Erhalt und Betrieb der Bundesfernstraßen im Auftrag des Bundes verantwortlich.
„Hessen ist die Verkehrsdrehscheibe Deutschlands und das Transitland Europas. Mit der zeitweiligen Seitenstreifenfreigabe haben wir seit dem Jahr 2002 in Hessen großartige Erfahrungen gemacht“, sagte Güttler. Untersuchungen bewiesen, dass der Verkehrsablauf spürbar verbessert wurde. Im Blick auf die Verkehrssicherheit konnten keine negativen Veränderungen festgestellt werden“, so Güttler. Auswertungen auf dem Streckenabschnitt der Autobahn A 5 (Frankfurt-Kassel) hätten gezeigt, dass auf dem Teilstück an jedem Werktag staubedingte Zeitverluste von mehr als 3.000 Kfz-Stunden eingespart werden konnten. Dies bedeute einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 10 Millionen Euro pro Jahr.
Für die Temporäre Seitenstreifennutzung hatte das Bundesland im vergangenen Jahr den Europäischen Verkehrspreis (CENTRICO-Award) erhalten. Die Seitenstreifennutzung in Hessen war von einer hochkarätig besetzten Jury mit dem 1. Preis in der Kategorie "Best Traffic Management Project“ prämiert worden.
Weitere Infos:
http://www.staufreieshessen.de



